Kalzium – von der Kindheit bis zum Alter
Kalzium ist in den letzten Jahren sehr in die Aufmerksamkeit
des Laien gerückt worden, grösstenteils durch die Werbung
und Hintergrundinformationen der Milchwirtschafts-Organisationen,
aber auch der «Interessengruppen» für Osteoporose,
hinter denen zum grossen Teil die Pharmaindustrie (Hormone und
Osteoporose-Medikamente) als Geldgeber stehen.
Von Dr. med. Thomas Rau
Kalzium, ein Mineralstoff, welcher in der Erde in grosser Menge
vorkommt, ist auch für den Menschen für sehr viele
körperliche Funktionen wichtig und essentiell (d.h. Kalzium muss
von aussen zugeführt werden).
Kalzium (chemisch mit dem Zeichen Ca = Calzium) ist vor allem in den
Knochen vorhanden, teils anorganisch, teils aber auch in organisch
gebundener Form: Calziumphosphat, Calziumapatit, Calziumcarbonat.
Kalzium ist das im Körper in grösster Menge vorkommende
Mineral.
Es bestimmt teils die Härte des Knochens, aber nur in Verbindung
mit den organischen, elastischen Bindegewebsfasern. Kalzium allein
wäre zu hart, zu splitterig, wie Gips, und nur als Einlagerung
in die organische Struktur des Knochens stärkt es diesen.
Ein Leiden, bei welchem das Kalzium nicht in den Knochen eingelagert
wird, ist die Rachitis des Kindes oder die Osteomalazie des
Erwachsenen, beides heute glücklicherweise sehr seltene
Krankheiten. Die Knochen haben alsdann einen zu grossen Anteil
organischer Strukturen, sind zu biegsam und zu wenig hart, brechen
aber nicht. Dies ist dann ein wahres Kalzium-Aufnahme- und
Kalziumeinbau-Problem.
Anders bei der Osteoporose des alternden Menschen, vor allem der
alternden Frau. Dies ist ein hormonell und konstitutionell bedingtes,
heute leider sehr häufiges Leiden.
Bei der Osteoporose ist aber nicht das Kalzium das wahre Problem,
sondern der verminderte Aufbau organischer Knochenstruktur, also des
Bindegewebe-Anteils des Knochens. Die Knochenbälkchen sind in
diesem Falle vermindert. Sie sind aber eher zu stark verkalkt,
weshalb sie dann auch zu spröde werden und es eben
Knochenbrüche geben kann. Bei histologischen Untersuchungen
dieses Knochens sieht man poröse Knochen mit wenig
Knochensubstanz. Diese organische Struktur gilt es dann aufzubauen,
mit Förderung der Regenerationskräfte, bei Frauen meist
durch Abgabe von Silizium das den Aufbau der organischen
Stukturfasern fördert (Schachtelhalm), sowie durch
niedermolekulare, pflanzliche Eiweisse, basische Ernährung, und
evtl. – aber erst nach Testung der Hormone durch einen
biologisch tätigen Arzt – durch Abgabe natürlicher
(nicht synthetischer!) Progesterone, welche die knochenaufbauenden
Osteoblasten stimulieren.
Kalzium wird in gewissen Zuständen aus dem Knochen abgebaut.
Dies ist dann meist die wahre Ursache der Osteoporose und nicht ein
Kalziummangel!
Hauptursache ist eine Übersäuerung des Organismus, d.h.
Vorliegen zu vieler Säure-equivalente, vor allem in Form freier,
nicht einbaubarer Aminosäuren aus
Eiweiss-Überernährung, aber auch Vorliegen zu vieler
organischer Säuren, wie Phosphate, Gluconate, Citrate, Lactate.
Diese sind in grosser Menge vorhanden in konservierten Lebensmitteln,
aber sogar in Milchprodukten, die unsinnigerweise zur Behandlung der
Knochenentkalkung gerade empfohlen werden!
Kalzium ist nämlich ein sehr wertvoller Basenbildner, da er an
die Stelle des H+-Ions, also des Säureions, geht und dieses
ersetzt.
Wird zu viel Kalzium im Körper verwendet für diese
Säure-Kompensation, führt dies zu einer Verkalkung der
Gewebe, sog. Sklerosen der Gefässwände (Verkalkungen), der
Sehnen und Bindegewebe (Weichteilrheuma) der Bandscheiben
(Rückenprobleme, Discushernien, etc.).
Es ist also falsch zu meinen, dass man Alterungsprozessen durch die
Einnahme von Kalzium begegnen könne. Diesen begegnet man durch
richtige Ernährung und durch Bewegung (siehe unten).
Kalzium hat aber noch ganz andere sehr wichtige Funktionen: Als
Katalysator vieler Stoffwechselvorgänge und als Austauschion
für die Zelltätigkeit. Die Vitalität der Zellen, d.h.
das an ihnen bestehende elektrische Membranpotential, wird aufgebaut
durch einen Austausch von Magnesium und Kalzium an der Zellwand.
Kalzium und Magnesium regulieren aber auch die Herztätigkeit,
sowie alle unbewussten vegetativen Funktionen, in Zusammenarbeit mit
dem Kalium und dem Natrium, welche ebenfalls im Gleichgewicht sein
müssen.
Kalzium ist auch nötig für die Blutgerinnung.
Der Kalziumaustausch innerhalb des Körpers folgt einem sehr
komplizierten hormonellen Regelkreis von Parathormon (in den
Nebenschilddrüsen gebildet) und Calzitonin.
Der heutige «zivilisierte», meist übersäuerte
Mensch, hat oft einen Mangel an Magnesium, der bei unsinniger
Kalziumaufnahme nur noch schwerer wiegt. Er hat aber auch oft ein
Übermass an Natrium (aus Salz und Fleisch) und einen Mangel an
Kalium.
Einzig pflanzliche Kost (möglichst zu 1/3 bis 2/3 als Rohkost)
ersetzt alle diese notwendigen Mineralien in der richtigen
Zusammensetzung.
Milch und Milchprodukte sind wohl sehr kalziumhaltig, dieses Kalzium
nützt aber nichts, da ein Übermass an Phosphor und vor
allem ein starkes Übermass an Milcheiweiss, das Kalzium bindet
und daher inaktiv für die Zelle und den Knochen macht.
Milch und Milchprodukte sind also zur Behandlung der Osteoporose und
der ihr zugrunde liegenden Übersäuerung nicht geeignet
und abzuraten. (Siehe auch Osteoporose) In der chinesischen Medizin gilt
Milch als lymphverschlackend und als ansäuernd! Wir wissen, dass
heute über die Hälfte (gewisse Literaturstellen nennen 2/3)
der westlichen Menschen in einer Form auf Milcheiweisse
zusätzlich allergisch reagieren. Auch müssen wir bedenken,
dass eine Leistungs-Milchkuh heute ca. 3x soviel Milch gibt wie vor
40 Jahren die «Spitzenkühe». Diese Milch ist aber
bei weitem nicht mehr so gehaltvoll wie früher und sehr
problematisch, da die armen Kühe artfremd mit
«Kraftfutter» ernährt werden. Und nur so nebenbei:
Warum bekommen denn die armen Kühe keine Knochenschwäche,
wo sie ja täglich 20-40 Liter Milch geben? Da sie sich eben
basisch, d.h. pflanzlich mit Grünzeug ernähren!
Besonders Kinder sollten keine Milchprodukte
erhalten, da sie übersäuernd,
allergiefördernd wirken und sehr häufig Ursache von
Immunstörungen und Infektanfälligkeiten sind. Lassen Sie
sich nicht durch die Werbung der Milchindustrie und der
«Functional Food-Industrie» blenden, welche
unsinnigerweise sogar noch anorganisches Kalzium zur Milch dazugibt.
Kinder dürfen als Ersatz Reismilch oder Sojamilch nehmen. Als
Getränk aber empfehlen wir ohnehin keine Milch, sondern Tees
oder einfach Wasser, keinesfalls künstliche
Süssgetränke wie Cola, Fanta, Citro, etc., da sie Phosphate
enthalten und das Kind unruhig, aber vor allem säurelastiger
machen können. Die sogenannten «Light-Getränke»
bei denen Zucker durch Aspartam (einen künstlichen
Süssstoff) ersetzt wurde, sind eher noch schlimmer!
Kalziumquellen
Kalzium bezieht man mehr als ausreichend (wenn der Körper
entsäuert ist nehmen Sie anfänglich das Basenpulver Alkala
N von Sanum), durch Gemüse, welche eben auch die anderen
Mineralstoffe enthalten, die in der Milch ohnehin nicht im
richtigen Mass vorhanden sind:
- Karotten, Bohnen, Leinsamen, Sojaspeisen, Vollkornbrot, Spinat, Broccoli, Salate, Sauerkraut.
- Mandeln, Haselnüsse, Cashewnüsse, Makadamia-Nüsse, Dörrfrüchte.
- Falls Sie nicht ganz auf Käse verzichten wollen, empfehlen wir den nicht allergenen Schafmilchkäse, welcher auch
mineralstoff- und kalziumhaltiger ist.
Wichtig ist zu wissen, dass alle phosphathaltigen,
säurelastigen Nahrungsmittel die Kalzium-Aufnahme mindern:
Wurstwaren, Zuckerspeisen, Süssgetränke, Ketchup,
Schmelzkäse, Schokolade, Fertigprodukte.
Weitere Angaben siehe Kalzium-Tabelle.
Aber es sei nochmals erwähnt, dass nicht der Kalziumgehalt,
sondern das Mineralstoffverhältnis und die Baselastigkeit das
Wichtige sind! Die Kalzium-Aufnahme ist – ähnlich wie auch
beim Eisen – das Problem und nicht die Kalzium-Zufuhr! (Es
käme auch niemandem in den Sinn, bei Eisenmangel Eisenspäne
zu essen, da diese nicht aufgenommen würden).
Die Aufnahme des Kalziums in den Körper
hängt ab vom Vitamin D und im Darm von den Darmbakterien. Bei
intakter Darmflora – auch wieder gefördert durch
pflanzliche Rohkost – ist die Kalziumaufnahme ins Blut viel
besser. Ölhaltige Speisen, wie Olivenöl, Cashewnüsse,
sowie Weizenkeimöle, Leinöl und andere enthalten sehr viel
Vitamin D und – gerade für den Aufbau der
Hirn-Nervenzellen bei Kindern so wichtig – ungesättigte
Fettsäuren und sollten immer in recht grosser Menge eingenommen
werden!
Man sieht also, dass das «Kalziumproblem» viel breiter
als nur mechanistisch durch Kalziumzufuhr angegangen werden muss! Und
nochmals: Nicht mit Milch, schon gar nicht bei Kindern – und an
Joghurt schon gar nicht denken!
© 2000, Dr. med. Thomas Rau, Ärztlicher Leiter der Paracelsus-Klinik Lustmühle.
Die Paracelsus-Klinik fördert die vegetarische Vollwertkost. Fast alle angestellten Ärzte leben selbst vegetarisch. Durch die Zusammenarbeit mit dem Hotel Schützengarten in Teufen AR (Hauptstr. 1) kann man sich von den Vorteilen einer veganen, vollwertigen, gesunden Küche auch unabhängig von einem Klinikaufenthalt überzeugen. Dort werden auch Kochkurse angeboten.
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