Vegetarische Ernährung – ohne Tiere und Pflanzen zu verletzen oder zu töten
Immer wieder wird von Menschen, welche zur Befriedigung ihres
Gaumens Tiere töten lassen, denjenigen, die schon einen Schritt
weiter sind, vorgeworfen, dass diese ja auch einen Salatkopf oder
eine Karotte töten.1 Natürlich
ist eine solche Argumentationsweise von Fleischessern gegenüber
Vegetariern schon auf den ersten Blick völlig absurd. Dadurch
würde man jeglichen Fortschritt, der nicht sogleich ins perfekte
Paradies führen würde, im Keime ersticken.2 Dennoch ist das Nachdenken über das
Töten von pflanzlichem Leben durchaus berechtigt, insbesondere,
wenn man sich bereits über das Töten von Mensch und Tier
Gedanken gemacht hat. Die Naturan-Stiftung in Berlin setzt sich genau
mit dieser Problematik auseinander. Im Folgenden geben wir deshalb
als gedankliche Anregung einen Artikel der Naturan-Stiftung
wieder.
Die naturane Lebensart besteht darin, die Lebensbedürfnisse
der Menschen, Tiere und Pflanzen als Einzelwesen zu
berücksichtigen. Ein Lebewesen ist dadurch gekennzeichnet, dass
es Einflüsse aus seiner Umwelt wahrnimmt und darauf reagiert.
Eine Pflanze beantwortet Reize, indem sie sich auf das Sonnenlicht
einstellt und indem ihre Wurzeln auf der Suche nach Wasser und
Nährstoffen durch den Boden wandern. Um auf Reize reagieren zu
können, müssen sie als wohltuend oder schädlich
empfunden werden. Pflanzen sind Lebewesen, die in dem Bestreben
leben, Verletzungen ihres Organismus zu vermeiden und Wohlergehen zu
erlangen. Der Botaniker Raoul Francé beschreibt (1905, S. 69):
«Wo Lebenstätigkeiten und Reize, da müssen auch
Apparate sein, die sie aufnehmen und weiterleiten. [...] wozu solche
Leistung, wenn nicht etwas da ist, was die Erfahrung aufnimmt und das
Gewonnene verwertet? Das Aufnehmen heisst Empfinden, das Verwerten
von Empfindungen aber besorgt etwas – das man sonst mit dem
Verlegenheitswort Seele bezeichnet.» Charles Darwin
verglich die Wurzelspitzen mit dem Gehirn eines niederen Tieres
(«Das Bewegungsvermögen der Pflanzen», Stuttgart,
1919).
Die Anhänger der indischen Jain-Religion, die auf eine
mindestens 2500-jährige Tradition zurückblicken, engagieren
sich für den Vegetarismus und erkennen Pflanzen als
schützenswerte Lebewesen an.3 Ein
Ausspruch von Mahavira, dem historischen Begründer des
Jainismus, lautet: «Kein niederes Tier, kein Gewächs,
kein höheres Wesen, kein sonstiges Lebendes darf geschlagen, ...
oder vernichtet werden.»
Zahlreich sind die Nahrungsmittel, durch deren Gewinnung Tiere und
Pflanzen nicht geschädigt werden müssen, z. B.
Früchte, Korn, Samen, Nüsse,
Hülsenfrüchte, Fruchtgemüse. Pflanzen trennen
sich selbst von Früchten und Samen, sodass ihr Organismus nicht
verletzt werden muss. Erst wenn Samen zur Keimung gebracht werden,
entsteht ein empfindungsfähiges Lebewesen. Die meisten
einjährigen Pflanzen sind bei der Ernte bereits abgestorben und
haben ihre natürliche Lebenszeit vollendet. Zu dieser
Nahrungsmittelgruppe gehören Teigwaren (Brot, Gebäck,
Nudeln, Klösse, Pizzas usw.), Hülsenfrüchte wie
Erbsen, Linsen und Sojaprodukte, Reis, Griess, Fruchtgemüse
(Tomaten, Zucchini, Auberginen, Avocados, Gurken, Kürbisse)
sowie Gewürze und Tees aus Samen und Früchten.
Einige Vorschläge für Mahlzeiten: Nudeln
mit Tomatensosse, Sojabratlinge mit Reis und Zucchini in heller
Sosse, Erbsen- oder Linsensuppe, Getreidefrikadellen, gedünstete
Avocados, Tomaten-Zucchini-Pizza, Sojaspiesse mit gegrillten
Auberginen, Linsensuppe mit Tofu- und Paprikastreifen, gebackene
Bohnen mit gebratenen Sojastücken und Fruchtgemüse,
Apfelpfannkuchen, Sojastücke in pikanter Sosse mit Reis und
Bohnen, geräucherter Tofu, Griess mit Himbeersosse,
Tomatencremesuppe.
Bei der naturanen Haltung von Pflanzen und Tieren steht das
Wohlergehen der Lebewesen im Mittelpunkt. Einige tierische Produkte
(Eier aus Freilandhaltung, Milch- und Milchprodukte, Honig und
Blütenpollen) lassen sich unter bestimmten Bedingungen
unschädlich gewinnen. Solche Verhältnisse sind zurzeit aber
noch eine Seltenheit.4 Bei der veganen
Ernährung wird auf die ernst zu nehmende Problematik der
Tierwirtschaft hingewiesen.
Vegan-naturan bedeutet: Ersatz tierischer Produkte
durch pflanzliche Alternativen, die nicht zur Verletzung oder
Tötung von Pflanzen führen müssen. Bei der naturanen
Lebensweise werden gesunde, hochwertige Produkte gewonnen und
Annehmlichkeiten erzielt, ohne dass dies auf Kosten anderer Lebewesen
und der Natur geschieht.
Die Verwirklichung der Achtung der Lebensbedürfnisse von
Lebewesen durch Rücksichtnahme und Schonung ist ein Wert, der
als Freude, zunehmende innere Stärke und Glück erlebt wird.
Themenübersicht des Buches:
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Das Grundlagenwerk der naturanen Lebensweise «L e b
e n – ohne Tiere und Pflanzen zu verletzen oder zu
töten» von A. Wang (ISBN 3-9803064-0-2)
enthält mehr als 365 Mahlzeiten, Heil- und
Körperpflegemittel, viele praktische Hinweise und weitere Themen
wie das Leistungsvermögen der Pflanzen und Tiere, Ethik,
Philosophie, Tier- und Naturschutz. Das Buch ist direkt bei der
Naturan-Stiftung erhältlich oder im Buchhandel.
Der Erlös aus dem Verkauf des Buches wird für die
gemeinnützige Tätigkeit der Naturan-Stiftung verwendet:
für den Tier-, Pflanzen- und Naturschutz, für
humanitäre Projekte sowie für die Verbreitung der
vegetarischen Lebensweise – ohne Tiere und Pflanzen zu
verletzen oder zu töten.
Naturan Stiftung, Baseler Str. 126, D-12205 Berlin
Tel./Fax 0049 (0)30 - 772 33 69, www.naturan.de
Die Naturan-Stiftung ist politisch und religiös ungebunden und
freut sich über Ideen und Mitwirkung.
Fussnoten:
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum
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