Veggie Pride 2002
«Wir sind Tiere, die mit allen Tieren
solidarisch sind»
Am 18. Mai fand in Paris die zweite Veggie Pride statt, die,
im Gegensatz zu der ziemlich kurzfristig angesetzten ersten
Veranstaltung, mit einem ausreichenden zeitlichen Vorlauf
sorgfältig vorbereitet worden war. Die aus Frankreich und
Belgien stammenden Organisatoren hatten sich ins Zeug gelegt und
rechtzeitig eine attraktive Website geschaffen, über die in neun
Sprachen alle Vegetarier und Veganer zur direkten oder auch
indirekten Teilnahme an der Aktion aufgerufen worden waren.
Dieser Appell war auch klar gehört worden, denn in der
Liste der Sympathisanten konnte man nicht nur die Namen von
internationalen Organisationen (International Vegetarian Union,
Europäische Vegetarier-Union und PETA) lesen, sondern auch die
von Gruppen aus Amerika, Belgien, Dänemark, Deutschland,
England, natürlich Frankreich, Kanada, den Niederlanden, von den
Philippinen, aus Portugal, Russland, Spanien, Südkorea und der
Schweiz (SVV/ASV).
Entschlossenheit und harte Arbeit hatten eine eindrucksvolle
internationale Koalition geschaffen für das Bekenntnis zur
fleischlosen Lebensweise: «Wir töten keine Tiere für
den menschlichen Verzehr. Wir lehnen es ab, fühlenden Wesen
deren einzigen Besitz zu stehlen, nämlich deren Fleisch, deren
Leben. Wir lehnen es ab, uns an einem brutalen System zu beteiligen,
das das kurze Leben von Tieren zur Hölle macht. Wir nehmen nicht
an Grausamkeiten teil wegen ein paar ‹Tafelfreuden›,
die aus Gewohnheit oder Tradition entstanden sind. Eigentlich sollte
eine solche Verweigerung selbstverständlich sein, aber die
Realität zeigt uns, dass Gewalt eine gesellschaftliche Akzeptanz
erhalten hat, die schwer zu beseitigen ist. Wir aber wollen unseren
Stolz zeigen durch ein klares NEIN.»
Aber nicht nur der ethische Standpunkt sollte der Öffentlichkeit
vermittelt werden, sondern es waren auch gleichzeitig Rechte zu
verteidigen und Forderungen aufzustellen: angemessene
Nahrungsangebote in Schulen und Kantinen, objektive medizinische
Beratung und ein Anspruch auf Arbeitsverweigerung bei
tierschädlichen Tätigkeiten. Vor allem aber wird abgelehnt,
zwangsweise über die Zahlung
von Steuern «am
Blutbad teilzunehmen».
Welch geeigneteren Schauplatz kann es für eine derartige
Veranstaltung geben als Paris an einem sonnigen Samstagnachmittag? Es
war eine bunte und gut gelaunte Gemeinschaft von ungefähr
fünfhundert Teilnehmern, die sich am «Place Jussieu»
eingefunden hatte und dann mit Transparenten durch die Strassen von
Paris zog, und zwar unter dem «Schutz» von vielen
Ordnungshütern. Aber trotz lautstark skandierter Slogans blieb
die Atmosphäre stets friedlich und entspannt. Sogar als der Zug
stockte und der Verkehr in mehreren Strassen deswegen fast eine
Viertelstunde lahm gelegt wurde, gab es erstaunlicherweise weder bei
Autofahrern noch bei Zuschauern irgendwelche irritierten Reaktionen.
Frankreich ist ein Land mit einem sehr niedrigen Anteil an
Vegetariern. Daran mag es gelegen haben, dass die Forderungen und
Aussagen auf den Transparenten viele Zuschauer offensichtlich
neugierig machten: Kein Fleisch …? Man schaute und staunte.
Das Ziel des Marsches war der «Place de la Sorbonne».
Dort wurden Flugblätter verteilt, vegane Mahlzeiten verkauft und
Bücher und Informationsmaterial angeboten. Die Demonstration
hatte sich zu einem internationalen Veggie-Treffen entwickelt, das,
nach der angenehmen Ambience zu urteilen, alle genossen.
Besonders beliebte Programmpunkte waren Vorträge und
persönliche Erfahrungsberichte. Nicht nur die Teilnehmer
hörten den Rednern interessiert zu, sondern auch viele Passanten
unterbrachen ihren Stadtbummel, um sich für einen Augenblick von
einer ihnen nicht vertrauten Lebensweise erzählen zu lassen.
Die Veranstaltung hatte in Frankreich und auch in Belgien einiges
Medieninteresse erweckt. Viele der Organisatoren wurden interviewt
und auch allgemeine Meldungen über die Veranstaltung verbreitet.
Es ist eine Tatsache: Die Veggie Pride hat neugierig gemacht. Der
französische Sender TF1 plant sogar eine umfangreiche
Dokumentation über das Thema. Man interessiert sich
plötzlich für die Meinung derer, die das Töten von
Tieren entschieden ablehnen.
Bravo! Das Ziel für 2002 ist erfüllt! Im nächsten Jahr
treffen wir uns wieder: Die Veggie Pride 2003 wird noch viel besser!
Herma Caelen
Vegi-Info Belgien
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