Wie andere Tiere auch – Fische fühlen Schmerz
Nicht wenige Menschen verzichten aus Überzeugung auf Fleisch, werden jedoch bei Fischgerichten schwach. Für diese so genannten Pesco-Vegetarier dürfte das Ergebnis einer Studie des Roslin-Instituts an der Universität im britischen Edinburgh eine eher schlechte Nachricht sein. Demnach fühlen Fische ähnlich wie andere Tiere und wie Menschen Schmerzen und Stress.
Das Forscherteam entdeckte laut britischen Medienberichten
am Kopf der Regenbogenforelle 58 Schmerzrezeptoren, die auf
mindestens einen Faktor reagierten. Die Wissenschaftler reizten den
Angaben zufolge die Fische mechanisch, chemisch oder mit Hitze. So
wurde etwa Bienengift oder Essigsäure in die Lippen der Forellen
gespritzt. Eine andere Methode war, die Tiere Temperaturen von mehr
als 40 Grad Celsius auszusetzen.
Im Anschluss untersuchten die Wissenschaftler, wie das Nervensystem
der Forellen reagierte. «Die Fische zeigten zuckende
Bewegungen. Die mit Säure injizierten Forellen rieben ihre
Lippen etwa an den Wänden des Aquariums», erklärte
Lynne Sneddon, Leiterin des Forscherteams.
Da Fische wenig Möglichkeiten haben, Schmerz
auszudrücken, wurde oft angenommen, dass sie kaum Leiden
verspüren. Mit den Experimenten sei nun jedoch erstmals
nachgewiesen worden, dass auch Fische – ähnlich wie
Amphibien, Vögel und Säugetiere – Schmerzrezeptoren
haben, die auf unterschiedliche Faktoren reagieren, erklärten
die Wissenschaftler. «Die Kriterien für tierischen Schmerz
sind erfüllt», sagte Sneddon.
Tierschutzorganisationen begrüssten das Ergebnis der Studie,
kritisierten jedoch das Vorgehen der Wissenschaftler, bei dem die
Tiere unnötig hätten leiden müssen. «Wir sagen
seit Jahren, dass Fische leiden und Schmerz fühlen wie alle
anderen Tiere auch», erklärte Dawn Carr, Europa-Direktor
der Tierschutzgruppe PETA. Der britische Anglerverband NAA
bezeichnete die Forschungsergebnisse hingegen als
«überraschend».
(n-tv.de, cnn.de u.a. – 30. April 2003)
Kabeljau bald nur noch im Aquarium?
Vor einigen Jahrhunderten galt dieser Speisefisch als das
«Brot der Meere», und sogar vor zwanzig Jahren schienen
die Vorräte noch unerschöpflich. Kein Wunder, dass in einem
solchen Schlaraffenland vielerorts die Betriebe der Fischindustrie
boomten und die Zahl der Fischer sich vervielfachte.
Kabeljau (oder: Dorsch) ist begehrt! Nicht nur am Küchentisch
und im Restaurant wird das Fleisch in allen nur denkbaren Saucen
serviert, sondern auch für die Fisch verarbeitende Industrie
stellt es die Basis für eine Vielzahl von Produkten dar, wie zum
Beispiel Fischfinger. In England bereitet man das Nationalgericht
Fish and Chips hauptsächlich mit Filets vom Kabeljau zu.
Ein grosser Markt ist zu bedienen und somit wurden in den letzten
Jahrzehnten die Fangmethoden der modernen Fischerei technisch immer
ausgefeilter: Schwärme werden nun mit Sonar und Satelliten
geortet und die so entdeckten Gebiete mit enormen Schleppnetzen, in
denen alles dort Lebende gefangen wird, geräumt.
Es wurde kontinuierlich mehr entnommen, als nachwachsen konnte, und
so ist es nicht verwunderlich, dass die Fischbestände bei einem
derartigen Raubbau allmählich zusammenbrachen. Zwar beklagte
sich die Fischindustrie zunehmend über geringere Anlandungen,
aber die Reaktionen darauf waren nicht etwa eine vernünftige
Schonung von Beständen, sondern die Entwicklung von immer
rücksichtsloseren Fangmethoden.
Im Dezember 2001 legte Kommissar Franz Fischler einen Plan zur
Erholung der Kabeljaubestände vor. Er redete Klartext:
«Wenn wir in der Zukunft noch fischen wollen, müssen wir
jetzt weniger fischen.» Durch finanzielle EU-Hilfe sollten
Fischerboote stillgelegt und Fischer umgeschult oder vorzeitig in den
Ruhestand geschickt werden. Aber wieder einmal setzten sich nationale
Interessen durch und das hemmungslose Leerfischen des Atlantiks ging
weiter.
Da der Kabeljau erst im Alter von fünf Jahren geschlechtsreif
ist und die meisten Tiere schon vorher aus dem Wasser gezogen werden,
ist nun der Weiterbestand dieser Tierart in grosser Gefahr. Die
Europäische Kommission hat also im Mai dieses Jahres einen neuen
Reformplan der gemeinsamen Fischereipolitik vorgelegt, in dem durch
niedrige Fangquoten, Beschränkungen des Fischereiaufwandes mit
Hilfe von «Abwrackfonds» und bessere Kontrollmassnahmen
angestrebt wird, in einem Jahr die Menge der geschlechtsreifen Fische
um dreissig Prozent zu erhöhen und so allmählich eine
Wiederauffüllung zu erreichen. Es ist fraglich, ob dieses
Projekt Erfolg haben wird, denn rund um Neufundland vor der
Küste Kanadas ist trotz eines vor zehn Jahren ausgesprochenen
Fangverbots keine wesentliche Erholung der Kabeljaubestände zu
verzeichnen.
Das wissenschaftliche Magazin «Nature» berichtete im Mai
2003 über eine Studie der Dalhousie-Universität in Halifax:
Frenetischer Fischfang hat schon zu einem Verlust von neunzig Prozent
aller Raubfische (Schwertfisch, Haiarten etc.) geführt. Es wurde
auch festgestellt, dass Speisefische wie Thunfisch, Kabeljau,
Heilbutt, Rochen und Flunder heute sehr viel kleiner sind als ihre
Vorfahren und dass alle Bestände stark dezimiert wurden.
Professor Callum Roberts von der York University/UK sagt dazu:
«Die Menschen haben mittlerweile vergessen, wie viele Fische
einst in unseren Meeren schwammen.»
Herma Caelen
Weitere Infos zum Thema Fische:
- SVV-Infoseite Fische
- Underwater Suffering: Do Fish Feel Pain?, September 2009, Scientific American
