90% der Schweizer Kälber erhalten Antibiotika
Nach den verschiedenen Antibiotikaskandalen in der Tiermast
möchten die meisten Fleischesser glauben, dass dieses Thema nun
erledigt sei und die Gesetze bzw. Kontrollen jetzt greifen
würden. Eine neue Untersuchung, welche in der
Konsumentenschutzsendung Kassensturz am 23. März 2004
veröffentlicht wurde, zeigte, dass weiterhin 90% der Kälber
mit Antibiotika behandelt werden.
Seit dem 1. Januar 1999 sind Antibiotika als Leistungsförderer
in der Schweizer Landwirtschaft verboten, weil sie die
Resistenzbildung von Bakterien gegen die Antibiotika in der
Humanmedizin fördern. Deshalb werden Antibiotika nun nicht mehr
offiziell als Leistungsförderer eingesetzt, sondern nur noch zur
Behandlung von Krankheiten. Durch den grossen Stress, dem junge
Kälber bei ihrem mehrfachen Transport (vom Zuchtbetrieb zu einem
oder mehreren Händlern und dann zum Mastbetrieb) ausgesetzt
werden, wird deren noch nicht voll intaktes Immunsystem so stark
geschwächt, dass sie mit Antibiotika behandelt werden
müssen. Der Präsident der Kälbermäster, Abraham
Oehrli (SVP-Nationalrat), gesteht ein: «Die Tiere werden zu
viel herumgefahren. Das ist nicht gut, das wissen wir.» Doch
geändert wird daran nichts.
Die Gesellschaft der Schweizer Tierärzte bedauert dies und kann
nur feststellen, dass fast jedes Schweizer Kalb mit Antibiotika
behandelt werden muss.
Renato Pichler
Quellen:
– TV-Sendung Kassensturz vom 23.3.04
– Zeitschrift Saldo, Nr. 6, 31.3.04
Weitere Informationen zum Thema Antibiotika:
- Antibiotika für Nutztiere (Vegi-Info 1997/4)
- Biokühe gleich krank wie die konventionellen (Vegi-Info 2005/4)
[Vegi-Info 2004/2 Inhaltsverzeichnis]
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