Kinder und Tiere – eine dicke Freundschaft
Marc Bekoff, Professor für Biologie an der Universität von Colorado, ruft Kinder überall in der Welt auf: «Lasst all eure Kontakte mit Tieren durchdrungen sein von Respekt, Mitgefühl, Bescheidenheit und Liebe.»
Viele ältere Kinder und Jugendliche sollten sich diese
Forderung hinter die Ohren schreiben, doch ganz kleine Kinder
brauchen derartige Anweisungen nicht: Ihre unverkrampfte Art im
Umgang mit Haustieren und ihr Interesse an ihnen ist der einfachste
und natürlichste Weg zu respektvoller nonverbaler und
artübergreifender Kommunikation.
Wenn Kinder älter werden, können äussere Umstände
und auch die Einmischung Erwachsener diese ursprüngliche
Harmonie zwar stören, aber normalerweise bleibt die enge
emotionale Bindung nicht nur bestehen, sondern wächst und macht
aus dem vierbeinigen Kindermädchen im Laufe der Jahre einen
geschätzten Spielkameraden und verständnisvollen
Vertrauten.
Beschützer aus dem Tierreich
Man sieht an strahlenden Kindergesichtern das Vergnügen, das
sie bei der Begegnung mit Tieren empfinden, und fast alle Haustiere
erwidern die ihnen entgegengebrachte Zuneigung durch Treue, Liebe und
die Annahme einer Beschützerrolle. Wehe dem Fremden, der sich
dem Familienjüngsten zu nähern wagt.
Weibliche Tiere haben sogar immer wieder junge Menschen adoptiert.
Seit der Zeit von Romolus und Remus, die ja angeblich von einer
Wölfin aufgezogen wurden und später Rom gegründet
haben, gibt es eine nicht endende Folge von Meldungen (und
Märchen?)1, die von der Adoption kleiner Menschen
durch Hunde, Affen, Ziegen, Schafe, Gazellen und Strausse (!)
berichten. Sogar Leoparden, Schakale, Panther und vor allem
Wölfe sollen kleine Menschen in ihre Obhut genommen
haben.2 Die letzte Nachricht kam Anfang August aus
Sibirien: Dort hat man einen siebenjährigen Jungen entdeckt,
der, so nimmt man an, im Alter von drei Monaten von seinen Eltern
verlassen wurde und danach nur dank seines Hundes überleben
konnte.3
Hund, Katze und Co.: ein Gesundheitselixier
Es ist schon seit langem bekannt, dass Haustiere besser als manches Medikament wirken und dass das Streicheln von Hunden und Katzen eine blutdrucksenkende Aktivität ist, die Glückshormone freisetzt. So ist es auch kein Wunder, dass Kinder mit Haustieren besser drauf sind und seltener in der Schule fehlen, wie eine kürzliche Studie ergab. Das Immunsystem der kleinen Haustierbesitzer arbeitet effektiver und Krankheitserreger werden besser bekämpft. Die Wissenschaftlerin June McNicholas kommentierte das Ergebnis der Untersuchung: «Es bestand ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Besitz von Haustieren und einer häufigeren Anwesenheit in der Schule.» 4
Kind-Tier-Spielregeln
Die Vorteile von Tiergefährten überwiegen zwar eventuelle Nachteile, dennoch dürfen einige Hygienemassnahmen und Richtlinien im Umgang mit Tieren nicht vergessen werden. Mag auch der eigene Hundefreund nachsichtig schlechtes Benehmen übersehen, so wird Bello von nebenan möglicherweise nicht so tolerant sein.
Jedes Kind, das sich an einige Grundregeln hält, findet durch die Freundschaft mit einem Haustier allumfassende Akzeptanz und Treue, Lachen, Spass und Spiel, Schutz gegen Einsamkeit und eine bedingungslose Liebe, die erst mit dem Tier selbst stirbt.
Herma Caelen
1) www.feralchildren.com/en/index.php
2) www.feralchildren.com/en/children.php?tp=0
3) www.nzherald.co.nz/storydisplay.cfm?storyID=3582191
4) www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0206/14_haustiere.htm
[Vegi-Info 2004/3 Inhaltsverzeichnis]
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