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Zu wenig Wasser fürs Fleisch?
Künftige Kriege werden nicht mehr ums Erdöl geführt, sondern ums Wasser, heisst es. Beim Wasserverbrauch denkt man zuerst an das Trinkwasser. Allerdings benötigt ein durchschnittlicher Haushalt täglich nur rund 2 bis 5 Liter Wasser zum Trinken und 100 bis 500 Liter für alles andere im Haushalt (Duschen, Waschen usw.). Dies ist beinahe zu vernachlässigen gegenüber den 2000 bis 5000 Litern, welche für den Anbau der Nahrungsmittel einer Durchschnittsfamilie täglich benötigt werden. Welche Rolle spielt dabei der Fleischkonsum?
Bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers wird oft nur von
der Nahrungsmittelversorgung gesprochen und das Wasser, welches
notwendig ist, um überhaupt Nahrungsmittel produzieren zu
können, vernachlässigt. In Stockholm fand deshalb eine
Wasserkonferenz1 statt, welche sich ausschliesslich mit
der Wasserversorgung der Menschheit befasste. Dabei kamen
interessante, aber auch beängstigende Ergebnisse zu Tage:
Ob eine Familie eher 2000 oder 5000 Liter täglich für ihre
Nahrungsmittel benötigt, hängt sehr von ihrer
Ernährungsweise ab. Weltweit werden durchschnittlich rund 1200
m3 Wasser pro Jahr und Person zur Erzeugung der Nahrung
benötigt. In den ärmsten Weltregionen, welche sich kaum
tierische Produkte leisten können, liegt dieser Wert bei ca. 600
m3 pro Jahr. Im Gegensatz dazu werden in den Regionen, die
am meisten Fleisch konsumieren (USA und EU) rund 1800 m3
pro Jahr und Person benötigt.
Ein direkter Vergleich macht den Einfluss des Fleischkonsums noch
deutlicher:
Bei einer ausreichenden Ernährung mit 80% pflanzlicher Nahrung
und 20% Fleischanteil (in den Industrienationen macht der tierische
Anteil heute sogar 30–35% aus) 2 beträgt der
Wasserverbrauch pro Jahr 1300 m3, bei einer rein
vegetarischen Ernährung nur rund die
Hälfte.1,3
Und in der Schweiz?
Natürlich ist Wasserknappheit in der Schweiz, dank ihrer
geographischen Lage und den Alpen, kein grosses Problem. Dennoch
wäre es falsch, dieses Problem zu ignorieren. Durch die
Nahrungsmittelimporte (inkl. Futtermittel) wird virtuell Wasser
importiert, da das Wasser zu deren Erzeugung am Produktionsort
dafür aufgewendet werden muss und in der Schweiz eingespart
werden kann.
Leider trifft die Wasserknappheit immer zuerst die ärmsten
Bevölkerungsschichten. Durch den riesigen Bedarf an Wasser in
der Landwirtschaft wird immer mehr mit Pumpen gearbeitet, welche das
Grundwasser hoch pumpen. Ärmere Bauern können sich nur
Handpumpen oder wenig leistungsfähige, einfache Pumpen leisten.
Wenn sich der Grundwasserspiegel durch Übernutzung um mehrere
Meter absenkt, trocknen dadurch zuerst die vielen kleinen Brunnen
aus, da diese das Wasser nicht aus grosser Tiefe heraufpumpen
können.
In Indien muss in manchen Regionen das Wasser bereits aus über
1000 Meter Tiefe heraufgepumpt werden. Noch vor einer Generation
reichten den Bauern handgegrabene Brunnen für ihre
Bewässerungen. Heute sind bereits 95% der kleinen Pumpstellen
ausgetrocknet.4 Auch in anderen asiatischen Ländern
sieht die Entwicklung ähnlich aus.
Bemerkenswert ist, dass trotz dieser eindrücklichen Zahlen, die klar die Fleischproduktion als den grössten Wasserverbraucher hervorheben, in den entsprechenden Studien auf die vegetarische Ernährung nicht eingegangen wird. Es scheint für die Wissenschaftler nicht einmal angebracht, es als mögliche Alternative zu erwähnen. Dies lässt einmal mehr darauf schliessen, dass beim Thema Fleisch in der Ernährung die wissenschaftliche Neutralität nicht gewährleistet ist, da jeder Wissenschaftler entweder Fleischesser oder Vegetarier ist.
Renato Pichler
Quellen:
- Stockholm International Water Institute (SIWI): Water – More
Nutrition per Drop; Towards Sustainable Food Production and
Consumption Patterns in a Rapidly Changing World. 2004
www.siwi.org - Rockström, J.: Water for food and nature in drought-prone
tropics: vapour shift in rain-fed agriculture.
Philosophical Transactions: Biological Sciences, 29 December 2003, vol. 358, iss. 1440, pp. 1997-2009(13) Royal Society - Rockström, J., Gordon, L., Folke, C., Falkenmark, M., and Engwall, M.: Linkages among water vapor flows, food production, and terrestrial ecosystem services. 1999, Conservation Ecology 3(2):5. www.consecol.org/vol3/iss2/art5
- Spiegel online: Grundwasserspiegel sinken dramatisch, 26.8.2004
Weitere Informationen:
- Wasserseite der SVV
- WorldWatch-Institut: Fleischkonsum ist keine Privatsache mehr
- Umfangreicher Artikel zum Thema: Ökologische Folgen des Fleischkonsums
- Auswirkungen der Ernährungsweise auf die Umwelt (Vegi-Info 2006/4)
[Vegi-Info 2004/3 Inhaltsverzeichnis]
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