Aus der Region oder besser umweltverträglich?
Sind lokal produzierte (regionale) Nahrungsmittel immer ökologischer als importierte?
Eigener Transport
Was oft vergessen geht: Rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen des Transportes von Nahrungsmitteln entstehen nicht beim Transport bis in die Läden, sondern vom Laden zum Endverbraucher. Es macht also selten Sinn, mit dem Auto weit zu fahren, um lokal produzierte Nahrungsmittel einzukaufen, wenn man in der Nähe zu Fuss dieselben Nahrungsmittel kaufen könnte, die von etwas weiter herkommen.
Verteilung
Wenn man sich den ganzen Lebenszyklus von Nahrungsmitteln ansieht, dann macht deren Transport nur ein Zehntel der gesamten Treibhausgasemissionen aus.
| CO2 in g pro kg Lebensmittel | |||
| frisch | tiefgekühlt | Konserve | |
| Rindfleisch | 13 500 | 14 350 | |
| Geflügel | 3500 | 4500 | |
| Schweinefleisch | 3000 | 4300 | |
| Gemüse | 150 | 400 | 500 |
| Obst | 450 | >450 | 1200 |
| Quelle: Öko-Institut, zitiert in Pendos CO2-Zähler | |||
Produktionsort
Beim Vergleich verschiedener Herstellungsmethoden stellt man fest, dass z.B. ein lokal produzierter Apfel, der den ganzen Winter in einem Kühlhaus gelagert wurde, oft mehr Energie verbraucht hat als ein frisch geernteter, der eine halbe Weltreise hinter sich hat.
Auch sind im Treibhaus angepflanzte Nahrungsmittel rund 10-mal belastender für die Umwelt als im Freien angebaute Produkte. Wodurch eine Reise vom Süden (Freiland) in den Norden (Treibhaus) unter bestimmten Umständen ökologischer sein kann als der lokale Anbau.
Am besten ist es natürlich, wenn man saisonales, lokales Gemüse und Früchte kauft, die im Freien produziert wurden.
| CO2-Anteil für Treibstoffverbrauch | |
| Aus der Region | 230 g/kg |
| Aus Europa | 460 g/kg |
| Aus Übersee (Schiff) | 570 g/kg |
| Aus Übersee (Flugzeug) | 11 000 g/kg |
| Quelle: WWF Schweiz, zit. in Pendos CO2-Zähler | |
Eine Saisontabelle für Früchte und Gemüse kann vom Schweizer Obstverband vom Internet heruntergeladen und als kleiner Faltprospekt bestellt werden: www.swissfruit.ch oder bei der SVV.
Was statt woher
Die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier (Rind, Schwein etc.) verursacht mehr Treibhausgasemissionen als der Transport von Nahrungsmitteln.
Wer also lokal produziertes Fleisch einkauft, schädigt die Umwelt mehr, als wenn stattdessen importierte pflanzliche Nahrung gekauft wird. Am schlimmsten sind in dieser Hinsicht Rindfleisch und Milchprodukte.
Hinzu kommt, dass bei «lokal produzierten» tierischen Produkten das Futter der Tiere durchaus weite Strecken zurückgelegt haben kann (z.B. aus Brasilien).
Könnte man die gesamten Transportkilometer von Nahrungsmitteln, die man einkauft, auf null senken, würde dies das Klima weniger entlasten, als wenn ein Fleischesser jeweils einen Tag pro Woche auf pflanzliche Produkte umsteigen würde.
Zusammenfassung
Wer also etwas für die Umwelt tun möchte, sollte beim Einkauf auf jeden Fall zuerst einmal pflanzliche Produkte den tierischen vorziehen. So lassen sich am meisten Treibhausgase einsparen. Danach können die verschiedenen Faktoren wie Flugtransport, umweltschonende Produktionsart und lokale Produktion in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden.
Renato Pichler
Quelle (u.a.): World Watch Institute: «Is Local Food Better?» von Sarah DeWeerdt
Weitere Infos zum Thema Klimawandel:
- Klimaschutz und Ernährung, Zitate und Meinungen zum Klimawandel
- SVV-Flugblatt: «Klimaschutz im Alltag - wie Sie jeden Tag etwas für das Klima tun können»
- FAO: «Die Tierhaltung ist für das Klima schlimmer als der gesamte Verkehr.» (Vegi-Info 2007/1)
- Die Schweiz: zu klein für den Klimawandel? (Vegi-Info 2008/2)
[Vegi-Info 2009-2 Inhaltsverzeichnis]
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum
Tweet