Landwirtschaftssubventionen in der Schweiz
Agrarsubventionen pro Kopf: Schweiz: 840 Dollar (187%) EG Mittelwert: 450 Dollar (100%) Quelle: Tages Anzeiger, 16.6.1993
Immer wieder hört man Bauern über zu wenig Subventionen (Steuergelder) klagen. In der Landwirtschaft hat man sich schon so daran gewöhnt, dass die Bauern durch die Steuerzahler finanziert werden, dass heute die Einnahmen aus der Arbeit der Bauern bei weitem nicht mehr soviel ausmachen, wie die Steuergelder, die ihnen zufliessen.
Gemäss der Wirtschaftszeitung CASH vom 5.7.96 bekommt ein
mittlerer Biohof mit 50 Hektaren Direktzahlungen in der Höhe von
rund 170'000 Fr. Es ist zwar schon ein riesen Fortschritt, dass
Bio-Betriebe mehr Subventionen bekommen, als konventionell
produzierende Bauern, doch hat hier auch wieder (wie beim
Tierschutzgesetz) die Agrarlobby bewirken können, dass sie
bestimmt, welche Kriterien für höhere Direktzahlungen
gelten. Die IP-Bauern (IP = Integrierte Produktion, bei der Chemie
und Düngemittel erlaubt sind) profitieren deshalb praktisch
genauso von dem erhöhten Geldsegen, wie die «echten»
Bio-Bauern. Deshalb gibt es nun immer mehr Bauern, die nicht aus
Einsicht der ökologischen Zusammenhänge, sondern aus rein
finanziellen Gründen auf IP-Produktion umstellen.
Die Höhe der Direktzahlungen ist unabhängig davon, ob ein
Bauer Millionär oder bettelarm ist. Dies erlaubt auch
Grossverdienern, auf Kosten der Steuerzahler kräftig zu
kassieren. Selbst eine Limite von 50'000 Fr. Direktzahlungen pro
Betrieb, wie dies der fortschrittliche Verband der kleinen und
mittleren Bauern (VKMB) fordert, konnte bisher durch die
Landwirtschaftslobby (zusammen mit dem Bundesamt für
Landwirtschaft) erfolgreich verhindert werden.
Deshalb geht der Subventionswahnsinn weiter wie bisher, auch wenn
kleine Korrekturen gemacht wurden. Ein Beispiel wohin dieser Wahnsinn
führt: Ein Bauer wird weiterhin seinen Kälbern die Kuhmilch
ihrer Mutter vorenthalten, da er beim Verkauf der Milch mehr
verdient, als wenn er sie zur Kälbermast verwenden würde
(94 Rp. anstatt 64 Rp. pro Liter). Dieser Unsinn wird durch
Steuergelder von über 1 Milliarde Franken jährlich, die in
die Milchwirtschaft fliessen, gefördert. Dies erklärt auch,
warum jährlich 300 Millionen Liter Milch zuviel produziert
werden.
So ist es sogar wirtschaftlich, die eigene Milch zu verkaufen und die
eigenen Kälber mit Trockenmilch (die mit Steuergeldern
verbilligt wurde) zu versorgen.
Kein Wunder, dass es heute auch für Idealisten praktisch
unmöglich geworden ist, einen Bauernhof so zu führen, dass
man von einer ökologisch sinnvollen und artgerechten Produktion
reden könnte.
Wie dem Ökologieartikel im Mittelteil dieses Heftes zu entnehmen
ist, kann eine auf Tiermast ausgerichtete Landwirtschaft nie
kostendeckend werden, da die Verfütterung von Nahrungsmitteln an
Schlachttiere eine riesige Verschwendung bedeutet.
Diese künstliche Verlängerung der Nahrungskette hat
offensichtliche, gravierende Nachteile. Dennoch wird die Hälfte
der Schweizer Getreideernte an Tiere verfüttert.
Es liegt jedoch nicht nur an der Höhe der Subventionen, sondern
mindestens ebenso an deren Verteilung: Dreiviertel der Subventionen
erhalten die Bauern für die Tierhaltung. Deshalb ist die
Haupteinnahmequelle eines Schweizer Bauern die Tierhaltung und nicht
die Produktion pflanzlicher, gesunder Lebensmittel für die
Bevölkerung.
Renato Pichler
Siehe auch: Landwirtschaftssubventionen abschaffen? (Vegi-Info 3/96)
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