Editorial zu Vegi-Info 4/99
Deklaration von Nahrungsmitteln
Liebe Leserin, lieber Leser
Vegetarier kennen das Problem schon lange: Bei vielen Produkten ist
nicht eindeutig ersichtlich, ob sie vegetarisch sind oder doch
irgendwelche Schlachtprodukte enthalten. Bei Veganern kommt die
Unsicherheit gegenüber anderen tierischen Zutaten noch hinzu.
Doch nicht nur für Vegetarier ist die weite Verbreitung von
tierischen Fetten, Eiweissen etc. in immer mehr Produkten ein
Problem. Auch Personen, die nur selten Fleisch essen möchten,
ziehen meist ein Stück Brot oder eine Suppe ohne Schweinefett
vor. Durch den Rinderwahnsinn wurde vielen Konsumenten erst bewusst,
in wievielen Produkten sie tagtäglich Bestandteile von
geschlachteten Rindern mitkonsumieren.
Dieser Trend entging natürlich auch der Nahrungsmittelindustrie
nicht. Deshalb findet man immer häufiger Deklarationen wie
«rein pflanzlich», «pflanzlich ...»,
«vegetarisch» oder ähnliches auf Verpackungen.
Leider sind diese Kennzeichnungen im Gegensatz zum Wort
«Bio» nicht gesetzlich geschützt. Deshalb
können sie keine absolute Garantie sein. Eine externe Kontrolle
fehlt dabei ebenso wie oftmals das Fachwissen, welche Produkte als
vegetarisch gelten.
Dass z.B. eine Pflanzenmargarine durchaus tierische Bestandteile
enthalten kann, ist vielen Konsumenten nicht bekannt, insbesondere
natürlich dann nicht, wenn noch mit „pflanzlich“
dafür geworben wird!
Um all diesen Unsicherheiten ein Ende zu bereiten, gibt es endlich
ein Zeichen, das durch die Europäische Vegetarier Union (EVU)
und in der Schweiz durch die Schweizerische Vereinigung für
Vegetarismus (SVV) garantiert wird.
Das Vegetarismus-Label bildet das Hauptthema dieser Ausgabe. Wir
versuchten, die wichtigsten Fragen zum Label zu beantworten. Daneben
werden in diesem Heft auch einige Bücher zum Thema
Nahrungsmittelproduktion und Zusatzstoffe vorgestellt.
Falls Sie weitere Fragen oder Bemerkungen haben: Schreiben Sie uns,
wir werden diese dann gleich persönlich beantworten oder –
bei allgemeinem Interesse – in einer der nächsten Nummern
darauf eingehen.
Wir hoffen, mit diesem Label das Leben der Vegetarier in der Schweiz
etwas leichter machen zu können.
Natürlich dürfen zur Weihnachtszeit auch entsprechende
Rezepte nicht fehlen. Schliesslich ist auch das Selbermachen ein
guter Ausweg aus dem Problem der Nahrungsmittelzusammensetzung.
Ausserdem werden die Festtage leider oft immer noch als Vorwand
für immenses Blutvergiessen in den Schlachthöfen genommen.
Dass es problemlos möglich ist auch ohne Tierleid genussvolles
zuzubereiten, zeigt ab dieser Nummer das Vegan Center jeweils mit
einem phantasievollen veganen Rezept. Den süssen Einstieg macht
in dieser Nummer die Linzertorte.
Vielleicht nutzen einige Menschen den Jahrtausendwechsel, um alle
blutige Nahrung endgültig aus ihrer Küche zu verbannen und
um dadurch einen persönlichen Schritt für ein
friedlicheres, kommendes Jahrtausend zu begehen. Die vegetarische
Bewegung wird im kommenden Jahrtausend jedenfalls eine wichtige Rolle
spielen, was im Artikel des WorldWatch Instituts in dieser Ausgabe
gut ersichtlich wird.
Ich wünsche Ihnen frohe und besinnliche Festtage und alles Gute im neuen Jahrtausend!
Renato Pichler
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
