Tierische Nahrungsmittelzusätze
Bei der Produktion von einem Kilo Frischfleisch entsteht mindestens dieselbe Menge an Schlachtnebenprodukten. [1] Diese Schlachtnebenprodukte (jeden Tag 500 bis 1000 Tonnen!) [2] stellt die Fleischindustrie vor grosse Entsorgungsprobleme. Ein Teil davon wird deshalb zu Futtermitteln verarbeitet und sogar auch an rein vegetarisch lebende Tiere verfüttert (z.B. Rinder, Schafe etc.).
Nebst den vielen anderen Anwendungsgebieten, die die Fleischindustrie für ihr Entsorgungsproblem gefunden hat, nimmt die Nahrungsmittelindustrie einen grossen Stellenwert ein. Sie mengt in letzter Zeit immer mehr Schlachtabfälle in ihre ansonsten rein pflanzlichen Produkte wie Backwaren, Tiefkühlprodukte etc. Sehr oft werden dabei einfach die hochwertigen, gesunden, aber auch teureren pflanzlichen Öle und Fette durch Schlachtfette ersetzt. Dies wird durch den Bund noch begünstigt, indem er bei importierten pflanzlichen Ölen und Fetten einen Preiszuschlag von gegen 300% (!) erhebt. [3] Dadurch werden die Schlachtfette und -öle indirekt «subventioniert».
Um dennoch vegetarisch und gesund leben zu können, hier einige Tipps zur Nahrungsmittelauswahl:
- (Speise-)Gelatine
- Wird aus Knochen und Schweineschwarte hergestellt. Mit der
Deklaration «Bindemittel» kann auch Gelatine gemeint
sein. Findet neuerdings auch in Artikeln von Reformhäusern
Verwendung! Zum Beispiel in Gummibärchen und in Getreideriegeln.
Gelatine besteht hauptsächlich (ca. 85%) aus tierischem Eiweiss
und trägt damit zu den immer häufiger werdenden
Eiweissspeicherkrankheiten bei.
Ob der Rinderwahnsinn über Gelatine übertragen werden kann, ist noch nicht definitiv erforscht worden, obwohl der hohe Eiweissgehalt von Gelatine dafür sprechen würde. - Tierische Fette
- Damit sind immer Schlachtfette gemeint. Butter etc. wird immer separat deklariert.
- Lab
- Ist ein Enzym aus Mägen von Wiederkäuern (meist
Kälbern). Wird als Gerinnungsmittel bei der Käseherstellung
verwendet. Es existieren bereits (in der Schweiz selten verwendete)
Alternativen, z.B. durch Extraktion aus gewissen Schimmelarten.
Weitere Infos zum Lab: Ist Käse vegetarisch? - Brot
- Fast alle Bäckereien beziehen ihre Fette von einem zentralen Backfettlieferanten. Diese enthalten fast immer auch Schlachtfette: Wenn die Verkäufer/-innen in Bäckereien nicht garantieren können, dass ihre Brote ohne Schlachtprodukte hergestellt werden (was leider die Regel ist), muss man immer davon ausgehen, dass auch Schlachtfett verwendet wurde! Alternativen: Nur Brot kaufen mit genauer Zusammensetzungsliste (ist jedoch auch keine Garantie!).
- E-Nummern
- Die Zusatzstoffe mit E-Nummer werden in der Regel nur in sehr
geringen Mengen den Nahrungsmitteln beigefügt (z.B. als
Emulgatoren, Farbstoffe, Aromastoffe). Der Trend geht eindeutig in
die Richtung, möglichst viele dieser Stoffe aus pflanzlichen
Rohstoffen zu erzeugen. Es kann deshalb nicht definitiv gesagt
werden, welche E-Nummern aus Schlachtprodukten hergestellt werden.
Oft gibt es verschiedene Verfahren, um solche Auszugsprodukte
herzustellen.
Liste der E-Nummern. Die meisten Nahrungsmittelhändler geben auf schriftliche Anfragen bereitwillig Auskunft. Falls man die Fragen ganz präzise stellt, bekommt man in der Regel auch korrekte Antworten. Eine Garantie gibt es aber dafür meist nicht. Detaillierte Informationen zu allen E-Nummern finden Sie hier: Zusatzstoffe online - Eiweiss
- Obwohl praktisch alle Lebensmittel Eiweiss enthalten und als Rohstoff dienen könnten, wird aus wirtschaftlichen Gründen Eiweiss meist aus Eiern hergestellt. Sojaeiweiss und andere Alternativen werden in der Regel als solche deklariert. Ausserdem dient Ei-Eiweiss häufig auch als Bindemittel und wird manchmal auch als «Eialbumin» deklariert.
- Übrigens
- Viele Eier, die von der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet werden, sind Importeier aus Hühnerbatterien (Deklaration beachten, keine genaue Deklaration deutet meist auf Käfighaltung hin)!
Um dass
Einkaufen für Vegetarier zu erleichtern, ist die Europäische
Vegetarier-Union (EVU) gerade dabei, in Zusammenarbeit mit den
Vegetarierorganisationen der verschiedenen Länder ein
einheitliches Vegetarismus-Label europaweit einzuführen.
Fragen Sie bei Ihrem Händler danach! Nur dieses V-Label
garantiert, dass ein Produkt wirklich vegetarisch ist. Weitere Infos
dazu unter: www.v-label.info.
Eine Liste fast aller tierischen Zusatzstoffe ist im Veganissimo 1 enthalten. Das Büchlein kann nebst der angegebenen Online-Version auch in gedruckter Form beim Vegi-Büro Schweiz, CH-9315 Neukirch-Egnach oder beim Herausgeber FACE IT! – Menschen für Tierrechte, Postfach 2132, D-24020 Kiel angefordert werden (Kosten: Fr. 3.– bitte in Briefmarken beilegen sowie ein frankiertes Antwortcouvert). Online in Deutschland auch bei VeganBasics.
